Stundenblume

Leben, eine Kunst

Wie die Zeit vergeht - und ich wohl zu alt für so manches Konzert werde

Wie die Zeit vergeht - und ich wohl zu alt für so manches Konzert werde

Heute bin ich sehr nachdenklich und finde dadurch Zeit etwas zu bloggen. Ich denke so viel nach, dass ich sogar die Arbeit liegen lassen habe. Die Arbeit am Haus, das wir noch immer fließig am Renovieren sind. Das sieht man auch im Hintergrund des Bildes. Die Arbeit mit den Kindern z.B. mit ihnen Sport zu machen, man beachte: ich trage Sportkleidung ^^ brav in schwarz gehalten, aber sogar ich halte mich neuerdings fit, oder versuche es zumindest. Die Arbeit im Verein, alles liegt bei Seite...und ich denke nach.

Denn ich war gestern auf einem Konzert, Blutengel in der Arche bei Berlin Neuenhagen, die ich eigentlich nur aus meiner Vereinsarbeit kenne. Mich wunderte das Konzert dort, was aber auch überhaupt Anlass war, dass ich zu Blutengel fand. Ein großartiger Künstler Chris Pohl, so freute ich mich ihn und Blutengel für mich entdeckt zu haben. Und das Konzert selbst, der Auftritt der Band mit Inszenierung auf der Bühne übertrafen meine Erwartungen bei Weitem!

Früher war ich immer wieder gern auf Konzerten in der Schwarzen Szene. Vor 15 Jahren nun etwa. Die Zeit vergeht. Jetzt sind die Kinder größer und im Gefühl verbunden zur Schwarzen Szene, bin ich auf der Suche in meiner neuen Heimat Berlin. In München wusste ich ja genau wo es sich wie gut lebt. Hier in Berlin fand ich auch einen Musikförderverein, Shadowplay e.V. der des Künstlers Sven Friedrich wegen gegründet wurde. Ein ganz wunderbarer Verein, das möchte ich auch nochmal betonen an dieser Stelle! Danke, dass es euch gibt! Ihr seid spitze!

Und der Kontrast könnte nicht größer sein, zu "Konzerten von der Stange". So stand ich gestern bei dem Konzert einer Band die ich neu für mich entdeckte, Blutengel. Vom Gefühl her ist das genau mein Wunsch gewesen, das einmal zumindest live zu sehen, einmal die Musik hautnah zu erleben, mit allen Sinnen zu erfahren. Da das nur live möglich ist, begab ich mich in die "Höhle des Löwen der Fans". Nur war mir das nicht bewusst.

Ich war ja nun völlig naiv auf dieses Konzert gegangen. In Erinnerung hatte ich eine schöne Zeit auf den ersten Konzerten des WGT, da war ich ja noch nicht einmal 18 gewesen. In Erinnerung hatte ich Lesung von Oswald Henke/Goethes Erben, Musik von anderen Bands in vorderen Reihen, die sich im Tanz wogen, die Stimmen erhoben zum Gesang mit dem Künstler auf der Bühne... und ich fragte mich gestern: wo ist das alles hin? Vermutlich außerhalb des harten Fanblocks auf jeden Fall.

Die Schwarze Szene gestern schockte mich zutiefst in Teilen, den "Fans". Nicht alle natürlich, aber es existiert so etwas wie ein "schwarzer aggressiver Block", ein Fanblock der bereits in der Früh anreist, wie auf einer Demo ganz vorn. Ich wurde geschlagen und gestoßen, da diese Fans ihre Plätze, die sie den ganzen Tag an der Absperrung verbringen, auch verteidigen.

So wurden sie mir gegenüber körperlich, nur weil ich in der ersten Reihe an der Stange einen Platz zum Festhalten suchen wollte. Verteidigung der Plätze gegen jeden - auch wenn jemand unter behindernden Umständen lebt oder in eine Notlage gerät? unter Gruftis? Das finde ich nicht angemessen.

Für mich bedeutet die Nähe zur Absperrung Sicherheit, in Sicherheit zu sein, sollte mir als Autistin alles sensorisch zu viel werden. Die enorm hohe Wahrnehmungsfähigkeit und Verarbeitung als Autistin ist großartig auf einem Konzert! - aber kann unter Umständen auch bei der Lautstärke, Lichtshow und Menschenansammlungskombi schon einmal bedeuten sich besser auch mal kurz für ein Lied an der Stange auszuruhen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass das jemals im Gothic-Bereich ein Problem war.

Gestern wurde es zu einem Problem, in den Reihen 1-3 waren brutale Menschen. Als das Konzert los ging tanzten die Menschen dieses Fanblocks aber nicht oder sangen mit. Nein, sie zückten ihre Handys zu großen Teilen. Ich kam mir deplaziert vor, wie ein Kamel in der Arktis. Wo sind sie hin, die ganzen Schwarzen der tiefen Emotionen, des Miteinanders und Erlebens in den vorderen Reihen? - Selfie-Generation ist up to date, ich glaube ich werde zu alt für so manches Konzert. 

Freundliche Menschen in Reihe 4-10 nahmen sich meiner an und dort wurde auch zum Teil getanzt und gesungen, wenn auch eher verhalten, wenige... Die Stimmung war zum Glück ingesamt sehr friedlich und keinesfalls generell aggressiv. Genau wie man es auch eigentlich kennt aus der Schwarzen Szene.

Aber so suche ich weiter in und um Berlin, was es noch zu entdecken gibt an Schwarzer Kultur. Für mich bedeutet eine gewaltbereite Verteidigung der Absperrung, aus welchem Grund auch immer, Konzerte nicht zu besuchen, oder grundsätzlich immer ganz hinten an der Bar stehen zu müssen.

Um so mehr freut es mich Teil des Shadowplay e.V. sein zu können und zu dürfen, denn hier ist es wie eh und jeh. Wie ich es liebe und schätze. Schwarze Kultur wie sie leibt und lebt, in der den Menschen bewusst ist wie wichtig es ist aufeinander zu achten - auch wenn nicht jeder in Schwarz zu den Konzerten kommen mag.

Ich wünsche euch eine schöne Zeit - die bei mir vergeht wie im Fluge.

Tags: Schwarze Kultur, Berlin, Leben, Gedanken,

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